Maschinenbau fordert Dekade der Innovationen

24.04.2017
24.04.2017

Europa ist der Kernmarkt für die Maschinenbauer aus Deutschland, im vergangenen Jahr gingen 46,5 Prozent der Maschinenbau-Exporte in die EU-Staaten und 56,9 Prozent in die Gesamtregion Europa.

  • EU braucht Reform – Zuständigkeiten klar verteilen
  • Bundesregierung muss Freihandel sichern
  • Verband bekräftigt Produktionsprognose 2017: plus 1 Prozent  
  • VDMA legt Leitfaden für die Maschinenkommunikation von morgen vor

Europa ist der Kernmarkt für die Maschinenbauer aus Deutschland, im vergangenen Jahr gingen 46,5 Prozent der Maschinenbau-Exporte in die EU-Staaten und 56,9 Prozent in die Gesamtregion Europa. Die Europäische Union ist der Garant für Frieden und Wohlstand in den Mitgliedsländern, zugleich trägt der Maschinenbau als wichtigster industrieller Arbeitgeber und technischer Innovator einen großen Teil dazu bei, die Zukunft Europas und der EU zu sichern. Gleichwohl muss die Europäische Union dringend reformiert werden, um die zunehmenden Herausforderungen auch künftig erfolgreich meistern zu können. Der VDMA sieht dazu in zwei Kernpunkten besonderen Handlungsbedarf: „Das faktische Vetorecht im Rat muss fallen, das Europäische Parlament muss aufgewertet werden. Dort, wo die EU zuständig ist, muss sie auch wirklich handlungsfähig sein. Das würde bedeuten, dass sich nicht immer die deutsche Position durchsetzt. Aber wir können bei drängenden Fragen nicht darauf warten, dass sich immer 27 Staaten einig werden“, forderte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker auf der Wirtschaftspressekonferenz des Verbands zum Auftakt der Hannover Messe.

Zugleich brauche die EU auch eine klare Zuständigkeitsverteilung, fügte er hinzu. Fragen der Handelspolitik und des Binnenmarktes, der Flüchtlings- und Verteidigungspolitik lassen sich nur europäisch lösen und müssen deshalb klar in die Zuständigkeit der EU fallen. Die Sozialpolitik, die Bildungspolitik und auch die Steuerpolitik sind Politikbereiche, die den Mitgliedstaaten überlassen werden sollten. „Wir wollen keinen Superstaat Europa, sondern klar definierte Kompetenzen“, betonte Welcker.

Erwartungen an die künftige Bundesregierung
Mitentscheidend für die Zukunft Europas wird auch die Politik der künftigen Bundesregierung sein. Der VDMA erwartet, dass sich jede Regierungspartei für den Erhalt der EU einsetzt. Darüber hinaus treten die Maschinenbauer mit zwei Kernforderungen an die Parteien heran. „Die nächste Bundesregierung muss ein Jahrzehnt der Innovation begründen! Das Regierungshandeln muss danach ausgerichtet sein, wie der richtige Rahmen dafür gesetzt werden kann und wo bürokratische Bremsen insbesondere für den industriellen Mittelstand gelöst werden können“, sagte Welcker. Die Maschinenbauer fordern deshalb schon seit langem eine Steuerliche Forschungsförderung, die allen Betrieben offensteht.
Desweitern müsse die neue Bundesregierung eine Regierung pro Freihandel werden, forderte er. „Wir brauchen eine Regierung, die die Chancen der globalisierten Welt konsequent nach innen vertritt und nach außen erkämpft.“

Maschinenbauproduktion: Reales Wachstum von 1 Prozent erwartet
Der VDMA-Präsident bekräftigte die Produktionsprognose des Verbands: Für 2017 wird ein reales Produktionsplus von 1 Prozent erwartet. Dieses Wachstum wird gleichermaßen gespeist aus dem Inland wie aus dem Ausland. Im vergangenen Jahr legte die Produktion im deutschen Maschinenbau um real 0,1 Prozent auf rund 203 Milliarden Euro zu, die Exporte stiegen um 0,2 Prozent (nominal) auf knapp 156 Milliarden Euro. „Das laufende Jahr wird, so unsere Einschätzung, ein Wachstumsjahr. Sollte sich die gegenwärtig herrschende gute Stimmung, so wie wir sie in zahlreichen Frühindikatoren ablesen können, fortsetzen und bewahrheiten, könnte es sogar besser kommen als von uns prognostiziert. Aber es gibt keine Garantie dafür, denn den Chancen stehen auch viele Risiken gegenüber, die uns wieder bremsen können“, sagte Welcker.

Positive Impulse könnten in diesem Jahr sowohl vom Inland als auch aus dem Ausland kommen. „Viele Unternehmen haben sich in Deutschland in den vergangenen Jahren mit Investitionen zurückgehalten, weil es zahlreiche Risikofaktoren für die Weltkonjunktur gab und gibt. Diese Risiken haben in den letzten Monaten sicher nicht abgenommen. Aber inzwischen gibt es immer häufiger Investitionsvorhaben, die einfach nicht länger aufgeschoben werden können“, erläuterte der VDMA-Präsident. Auch auf den Exportmärkten sehen die VDMA-Volkswirte Chancen für ein Plus. Die Ausfuhren nach Russland 2017 könnten wieder etwas zulegen, die Ausfuhren nach Indien sogar etwas stärker wachsen als 2016. Für China deutet sich zumindest eine temporäre Stabilisierung an. Auf dem amerikanischen Markt hat die Konjunktur bereits angezogen. „Wir müssen aber abwarten, ob das dauerhaft zu steigenden Maschinenkäufen führt. Denn wir wissen immer noch nicht, welche Wirtschaftspolitik US-Präsident Trump wirklich durchführen wird, beziehungsweise welche protektionistischen Maßnahmen er durchsetzen will und am Ende auch kann“, betonte Welcker.

Maschinenbau für Industrie 4.0 gut aufgestellt
Die Welt der vernetzten und digitalisierten Produktion hält immer mehr Einzug in die Fabriken des Maschinenbaus - nun wird die Vernetzung auch über die Unternehmensgrenzen hinweg erfolgen. Zugleich müssen Fragen der Daten  und Rechtssicherheit beziehungsweise des Know-how-Schutzes geklärt werden. „Industrie 4.0 entsteht an der Nahtstelle zwischen Industrie und IT!“, betonte der VDMA-Präsident. Für die Zukunft des Maschinenbaus gilt daher: Unternehmen müssen auf zwei Strategien setzen, den Verkauf von hochtechnologischen Maschinen und Anlagen, sowie die Nutzung der zugehörigen Daten als digitale Services für die Zukunft.

Welcker formulierte dazu vier Kernthesen:

  • Industrie 4.0 muss stärker in der Unternehmensstrategie verankert werden
  • Qualifiziertes Personal ist entscheidend
  • Datenbasierte Services und vernetzte Produkte ermöglichen neue Geschäftsmodelle
  • Die Finanzierung von Industrie-4.0-Projekten muss frühzeitig gesichert werden

Die Digitalisierung bedeutet einen fundamentalen Wandel, der über viele Jahre umgesetzt werden muss. „Wie immer bei neuen Technologien sind die Umsetzungsgeschwindigkeiten in den Unternehmen unterschiedlich, doch insgesamt ist der deutsche Maschinen- und Anlagenbau in Sachen Industrie 4.0 gut aufgestellt“, resümierte Welcker.

OPC-UA ermöglicht die Industrie 4.0-Kommunikation von morgen
Ein Meilenstein in der Industrie 4.0-Welt ist die Festlegung von einheitlichen Schnittstellen in der Produktion. Sie definieren die Mechanismen der Zusammenarbeit im industriellen Umfeld. Der VDMA favorisiert aus heutiger Sicht den Schnittstellenstandard OPC UA. Es handelt sich um einen offenen Standard, OPC UA steht für Open Platform Communications Unified Architecture. Der VDMA hat dazu den „Leitfaden Industrie 4.0 - Kommunikation mit OPC UA“ entwickelt, der den Firmen deutlich macht, welche Maßnahmen sie treffen müssen, um eine Interoperabilität in der Fabrik sicherzustellen. So kann die Produktion digital vernetzt werden, ganz gleich von welchen Herstellern die Maschinen und Komponenten in der Produktion stammen. „Was im Büro mit dem USB-Standard hinsichtlich Plug & Play schon lange möglich ist, wird in Zukunft also auch in der Produktion in Form von Plug & Work Realität“, erläuterte der VDMA-Präsident. Auf diese Weise werden zum Beispiel Zustandsüberwachung (Condition Monitoring) und die vorausschauende Instandhaltung (Predicitve Maintenance) mit einer einheitlichen Schnittstelle herstellerunabhängig möglich gemacht.

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