Hannover Messe: Eine klare Absage an Protektionismus

23.04.2017
23.04.2017

Um seine Innovationsfähigkeit ist dem Maschinenbau und der Industrie in Deutschland nicht bang. Schwierig bleibt die geopolitische Lage. Umso wichtiger ist das klare Bekenntnis der Bundeskanzlerin für freie Märkte und offene Grenzen.

Bange machen gilt nicht: Trotz vieler politischer Unsicherheiten und der gewaltigen Herausforderung der Digitalisierung ist die Industrie mit breiter Brust auch in die diesjährige Hannover Messe gestartet. „Die Innovationsfähigkeit beginnt in den Köpfen unserer Kinder und Mitarbeiter“, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker auf dem BDI Wirtschaftsforum unmittelbar vor dem Start der  Hannover Messe. Und hier sei genug Potenzial vorhanden – es muss nur gehoben werden. Allerdings:  „Der Markt muss endlich befreit werden von Überregulierung. Dann kann viel entfesselt  werden“, betonte er. „Wenn unser Mittelstand eins kann, dann ist es Geschwindigkeit. Unsere Unternehmen können auch Digitalisierung.“

„Integrated Industry – creating value“, unter diesem Motto lädt die wichtigste Industrieschau in Deutschland in diesem Jahr Aussteller und Besucher nach Hannover. Und wie sich dieses Versprechen umsetzen lässt, zeigt unter anderem die VDMA-Mitgliedsfirma Schunk GmbH Co. KG, die am Eröffnungsabend den renommierten Hermes-Award in Empfang nahm. Der intelligente Greifer der baden-württembergischen Firma ist mit seiner Sensorik und seinen Fähigkeiten besonders für die Mensch-Roboter-Kollaboration geeignet, wie Forschungsministerin Johanna Wanka hervorhob.

Dass die Digitalisierung  alle Bereiche des Maschinenbaus und auch aller anderer Industriezweige prägen und verändern wird, ist den Unternehmen längst klar. Auch, dass es dafür keine Blaupausen gibt und jede Firma ihren eigenen Weg finden muss. Wichtig ist allerdings, dass politische Hürden aus dem Weg geräumt werden und das Auftauchen neuer Hindernisse vermieden werden muss. Das gilt zum einen für die globalen Handelsbeziehungen. Freihandel, offene Grenzen und der Abbau von Handelsschranken sind ein Muss für einen erfolgreichen Wandel. „Wir müssen deutlich machen, dass moderne Wirtschaftsbeziehungen  nichts mit Deals zu tun haben“, betonte BDI-Präsident Dieter Kempf.

„Die Hannover Messe steht für die Weltoffenheit unserer Wirtschaft, wir erteilen Protektionismus eine klare Absage“, bestätigte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Eröffnungsrede. Diesen Appell, sich nicht zu verschließen, richtete sie indirekt auch an das diesjährige Gastland Polen, indem sie auf die Bedeutung der polnischen Gewerkschaft Solidarnosz für den Fall der Eisernen Mauer und die spätere deutsche Wiedervereinigung hinwies. 2016 habe der Warenaustausch zwischen Deutschland und Polen erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro überschritten. „Die Hannover Messe wird einen weiteren kräftigen Schwung in die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen bringen“, betonte die Kanzlerin.

 Zugleich müssen aber auch die Bedingungen im Inland verbessert werden, waren sich die Teilnehmer des BDI-Panels einig. Eine Aufgabe, die die Regierung erkannt habe, betonte Staatssekretär Matthias Machnig. „Die Hannover Messe ist nicht nur Leistungsschau, sondern auch Zukunftsschau“,  sagte er. „Es hängt jetzt davon ab, dass es uns gelingt, den Struktur- und Technologiewandel auch in den kommenden Jahren voranzutreiben .“

Einmütig sprachen sich alle Panelteilnehmer für die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung aus. Ein Anliegen, das auch der VDMA schon seit vielen Jahren verfolgt. Es könne nicht weiter so bleiben, dass Deutschland als eines von nur zwei Ländern in Europa eine solche Unterstützung der Unternehmen nicht hat, bekräftigte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil die Sichtweise der Industrie. „Wir investieren mit der steuerlichen Forschungsförderung in Köpfe und in Wohlstand in Deutschland. Und diese Förderung wird sogar explizit von der EU-Kommission empfohlen“, sagte er.

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Bildquelle: Hannover Messe