EU-Kommissar Oettinger auf VDMA-Empfang: „Deutschland muss die anderen Länder mitnehmen“

25.04.2017
25.04.2017

Beim 7. Europapolitischen Empfang auf der Hannover Messe warb EU-Kommissar Günther H. Oettinger für mehr Solidarität in Europa. Letztlich würde auch die Industrie von einer starken EU profitieren.

Um Zusammenhalt warb der Kommissar auch beim Thema Brexit, den Oettinger in seinem Ressort für Haushalt und Personal in Brüssel aktiv mitgestaltet. „Großbritannien bleibt weiterhin unser Nachbar. Aber in den Verhandlungen über den Austritt sind die Briten nicht nur Partner, sondern auch Gegner“, sagte Oettinger. Ein Lob gab es für die Industrie, die sich bislang mit Sonderwünschen zurückhalten würde. „Die Unternehmen wissen, dass die verbleibenden EU-Staaten mit einer Stimme sprechen müssen – sonst verlieren wir alle.“Auf der Hannover Messe 2017 sind Aussteller aus 27 der 28 EU-Staaten vor Ort – die perfekte Gelegenheit, die politische Krise der EU aus Sicht der Industrie zu diskutieren. „Der Maschinenbau ist eine internationale, und vor allem eine europäische Industrie“, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker in seiner Ansprache auf dem 7. Europapolitischen Empfang des VDMA und der Deutschen Messe am Montag den rund 140 Gästen, darunter EU-Kommissar Günther H. Oettinger. „Aber die Wirtschaft kann nur über Landesgrenzen hinweg zusammenarbeiten, wenn auch die Politik über Landesgrenzen hinweg zusammenarbeitet.“

Auf dem Podium forderte Oettinger zunächst mehr Solidarität unter den Mitgliedsstaaten ein. „Die Hannover Messe ist ein Zeichen für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Aber wir müssen auch die anderen Länder mitnehmen“, sagte Oettinger im Gespräch mit FAZ-Redakteur Hendrik Kafsack. Auch deutsche Unternehmen würden nicht zuletzt durch ihre Exporte davon profitieren, wenn sich andere Staaten im Binnenmarkt positiv entwickeln. Tatsächlich geht knapp die Hälfte aller Exporte deutscher Maschinenbauer ins EU-Ausland. „Wir müssen gesamtwirtschaftlich denken“, sagte Oettinger.

Eine besondere Brisanz hatte der Europapolitische Empfang in diesem Jahr durch die Wahl in Frankreich am Vortag und das gute Abschneiden von Marine Le Pen. So warb Oettinger auch mit Blick auf den wachsenden Populismus in Europa für einen fairen Umgang mit der EU. „Von 50 Euro, die Sie an Abgaben zahlen müssen, geht nur ein Euro nach Brüssel. Da lässt sich nichts mehr einsparen“, erklärte Oettinger dem Publikum. Ohnehin sei Kritik an der EU zwar verbreitet, hätte aber selten Substanz: „Ich kenne keinen konkreten Vorschlag, Kompetenzen aus der EU wieder zurück in die Mitgliedsstaaten zu verlagern.“

Der VDMA setzt sich derzeit mit seiner Online-Kampagne #europeworks für die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene ein. Allerdings fordert der Verband im Positionspapier „Die Zukunft der EU sichern“ Reformen in der EU. 

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Bildquelle: Hannover Messe / Photovision